Das Kürzel „IZA“ steht für „Institut zur Zukunft der Arbeit“. Und eben dieser neoliberale Wissenschaftsladen stellt eine niederschmetternde These auf, nämlich:
- „Mindestlohn bringt Mini-Jobs in Gefahr“
In schonungsloser Offenheit lässt uns das IZA wissen:
- Als Folge gesetzlicher Maßnahmen müsste demnach der Lohn vieler Minijobber angehoben werden mit der Konsequenz, dass viele dieser Arbeitsplätze von den Unternehmen aus Kostengründen in Deutschland nicht mehr angeboten würden.
Betroffen wären vor allem Frauen, für die Minijobs bislang eine gute Gelegenheit gewesen seien, Familie und Beruf miteinander zu verbinden. Die Politik sei daher gut beraten, von allgemeinen Mindestlöhnen Abstand zu nehmen.
Quelle: „Merkur-Online“
Als hätten wir alle es nicht schon immer gewusst, legt das IZA den Finger in genau jene Wunde, die den Niedriglohnsektor am meisten schmerzt: Der Internationale Wettbewerb.
Viele dieser Arbeitsplätze würden aus Kostengründen dann nicht mehr in Deutschland angeboten, wenn es einen gesetzlichen Mindestlohn gäbe.
Oh Gott! Wird das grausam.
Kein Taxifahrer mehr, der mich für einen Hungerlohn zum nächsten Bahnhof bringt. Dabei zahle ich doch schon beim Umdrehen des Zündschlüssels 3,50 Euro. Aus und vorbei. Alle Taxi-Unternehmer gehen nach
Na ja, wohin genau, weiß ich auch nicht. Aber das macht nichts. Denn die Jungs und Mädels vom IZA wissen es ja auch nicht. Wüssten Sie´s, hätten sie uns das bestimmmt verraten. Die Herren Klaus Zumwinkel, Klaus F. Zimmermann, Armin Falk, Hilmar Schneider und Florian Gerster.
Dennoch: Das Institut für die Zukunft der Arbeit sagt nur die halbe Wahrheit. Es untertreibt nämlich maßlos, wenn es vor den mit einem „Mindestlohn“ verbundenen Gefahren warnt.
Kein Wort über die Sorgen und Nöte jener Branche, die das hiesige Taxi-Gewerbe maßgeblich beliefert: Die Automobil-Industrie. Ich sehe schon tausende von Bandarbeitern mit Mercedes-Stern auf dem Arbeits-Overall, die nur deshalb entlassen werden, weil in Deutschland nicht ein einziges Taxi mehr verkauft wird.
Nur der Deutsche Sportbund hat Grund zur Freude. Endlich setzt das Volk seinen Appell
„Deutschland braucht Bewegung“
in die Tat um.
Weil kein Taxi mehr fährt und im Bus lauter „1-Euro-Jobber“ rumlungern, um uns mit ihren Wehklagen über ihre finanziellen Nöte in den Ohren zu liegen, gehen wir lieber zu Fuß oder greifen zum Fahrrad. Weil mitten in der Nacht kein Zeitungsbote mehr unsere Zeitung bringt, latschen wir zum Kiosk, wenn wir was lesen wollen. Endlich ist es soweit: Deutschland bewegt sich!
Aber es kommt noch besser! Es findet sich nämlich keiner mehr, der uns zu einem Hungerlohn den Döner, die Currywurst oder den Burger verkauft. Bier und andere geistige Getränke gibt´s allenfalls noch im Interconti. Das 0,3 Liter Glas Bier zu 6,50 Euro. Völlig entziehen kann sich die deutsche Wirtschaft dem „Mindestlohn“ nämlich auch nicht. Und sei es nur, weil ausländische Geschäftsleute auf ihr deutsches Bier, serviert von einer attraktiven Kellnerin mit gesetzlichem Mindestlohn, für keinen Preis der Welt verzichten wollen.
Der Deutsche Michel indes übt sich in Konsum-Verzicht und findet Freude an Leibesübungen, um zu überleben. Fettleibigkeit, Gefäßerkrankungen und Diabetis Melitius Typ II ab sofort kein Thema mehr. Während in Berlin immer noch über die Gesundheitsreform debattiert wird, hat sich Deutschland am eigenen Schopf aus dem Morast der Heilmittel- und Behandlungskosten gezogen.
Ja, wir sind wieder wer. Schlank, rank und absolut gesund. „Besser schön und reich als arm und krank“, war gestern. Heute gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Arm und Reich: Alle sind schön.
Und so blicken die wegen des Gesundheitskults erwerbslos gewordenen bildhübschen Krankenschwestern hoffnungsfroh in die Zukunft. Sie flanieren auf den Flughäfen des Landes herum, beseelt von der Hoffnung auf einen reichen Chinesen, der sie heiraten könnte. Denn längst weiß jede Schwesternschülerin: Nicht vom „Reich der Mitte“, sondern vom „Mindestlohn“ geht die große Gefahr aus.







